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Berichte von der IDS-Tagung (I): Gert Webelhuth

9. März 2010

Die IDS-Tagung hat heute morgen begonnen. Das Thema der Tagung –  „Sprachliches Wissen zwischen Lexikon und Grammatik“ – sowie ein kurzer Blick auf die angekündigten Vortragenden –  darunter Wolfgang Imo, Joachim Jacobs, Heike Behrens und Anatol Stefanowitsch – machen deutlich, dass diese Tagung das Ereignis des Monats für KxG-Interessierte werden könnte.

Den Eröffnungsvortrag hielt Gert Webelhuth von der Universität Frankfurt. Der Titel seines Vortrags – „Paradigmenwechsel rückwärts: die Renaissance der grammatischen Konstruktion“ – ließ einen Überblick über die theoretischen Entwicklungen innerhalb der Syntaxforschung erwarten. Dieser wurde auch geliefert, aber es folgte ein noch spannenderer Teil: Anhand einer detaillierten Beschreibung der verschiedenen deutschen Relativsatztypen argumentierte Webelhuth, dass eine konstruktionsgrammatische Analyse die einzig überzeugende Lösung sei. Dabei zeigte er zunächst, dass die Klassifizierung eines der zentralen Elemente als Kopf  des Relativsatzes entweder zu falschen Vorhersagen führt – wenn man nämlich das Relativpronomen als Kopf des Relativsatzes postuliert – oder zu Vorhersagen, die deulich zu unrestringiert sind – wenn man das finite Verb als Kopf betrachten möchte. In letzterem Fall müsste jedes Verb in seinem Lexikoneintrag sechs zusätzliche Spezifizierungen für jeden der sechs Relativsatztypen erhalten, was theoretisch sehr unbefriedigend scheint. Der einzig mögliche Ausweg aus diesem Dilemma, wenn man Konstruktionen weiterhin vermeiden möchte, ist die Annahme eines unsichtbaren Kopfes, was tatsächlich auch in verschiedenen generativen Theorien geschehen ist. Diese Lösung sei aber, so Webelhuth, nur eine Verschiebung des bereits benannten Problems: Schließlich müssten immer noch die sechs möglichen Relativsatztypen mit ihren jeweiligen Formen und Restriktionen lexikalisch spezifiziert werden, nur eben an einem leeren Element. Abschließend schlug Webelhuth eine Analyse der deutschen Relativsätze als eine Konstruktionsfamilie vor, die die oben beschriebenen Probleme klar vermeidet.

Webelhuth, der früher bereits sowohl generative Syntax als auch HPSG-Ansätze selbst vertreten hat, machte so einen besonders starken Punkt für die Konstruktionsgrammatik, indem er die konkurrierenden Beschreibungsmodelle an ihren eigenen Grundannahmen und Vorhersagen misst. Dieser Eröffnungsvortrag macht Vorfreude auf den Rest der Tagung.

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