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Berichte von der IDS-Tagung (II): Stefan Engelberg

10. März 2010

Stefan Engelberg und die Mitarbeiter des Projekts „Polysemie und konstruktionelle Varianz“ sprachen in ihrem Vortrag über Argumentstrukturmuster und den möglichen Beitrag der Konstruktionsgrammatik zur Erklärung der Zusammenhänge bestimmter Argumentstrukturen mit einzelnen Verben.

Dabei präsentierten sie einen Teil der im Projekt erhobenen Korpusdaten, anhand derer sie verschiedene Annahmen aus Goldbergs Konstruktionsgrammatik kritisch überprüften. Einige der von ihnen beschriebenen Konstruktionen im Deutschen waren die direkten Entsprechungen zu aus dem Englischen bekannten und von Goldberg detailliert untersuchten Konstruktionen wie zum Beispiel die Resultativkonstruktion („Sie redete sich in Rage“) und die intransitive Bewegungskonstruktion in der Variante mit einem Verb der Geräuschemission („Sie knatterte durch das Dorf“). Engelbergs  quantitative Analyse der letzteren zeigte, inwiefern sich die Verben der Geräuschemission innerhalb dieser Konstruktion distributionell anderes verhalten als genuine Bewegungsverben wie zum Beispiel fahren. Geräuschverben bevorzugen im Gegensatz zu Bewegungsverben weniger ziel- und mehr pfadspezifizierenden Präpositionalphrasen. Engelberg folgerte, dieser Unterschied zwischen beiden Verbtypen mache die Annahme einer neuen Konstruktion notwendig.
Das Gesamtfazit des Vortrags betonte einerseits die Wichtigkeit empirischer, korpuslinguistischer Überprüfung der zentralen Annahmen der Konstruktionsgrammatik, andererseits die Notwendigkeit, auch valenzbasierte Informationen in eine umfassende Beschreibung von Argumentstrukturmustern und dem Verhalten von Verben und Verbklassen einzubeziehen.

Ungeachtet der möglichen Probleme einzelner Analysen ist ersteres wohl unbestritten, wobei aber im Vortrag auch die immer noch existierende Distanz zwischen empirischer Forschung und Theoriebildung deutlich wurde. Letzteres ist sicher ein wegweisender Hinweis sowohl für konstruktionsgrammatische als auch für valenzbasierte Ansätze. Der Vortrag und die Existenz des Projekts am IDS zeigen, dass der Dialog zwischen beiden Ansätzen bereits begonnen hat.

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