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Berichte von der DGKL-4 (I): KxG und Kognitive Linguistik

18. Oktober 2010

Die vierte Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kognitive Linguistik fand vom 7. bis 9. Oktober in Bremen statt. Obwohl die Konstruktionsgrammatik oft als ein Zweig der Kognitiven Linguistik verstanden wird, waren jedoch bisher genuin konstruktionsgrammatische Beiträge auf diesen Konferenzen nicht unbedingt ein beherrschender Teil, vielmehr waren meist besonders Vorträge mit semantischem Fokus bestimmend. Das war in diesem Jahr noch nicht völlig anders, aber es scheint doch einen Trend innerhalb der Kognitiven Linguistik zu stärker grammatischen Themen zu geben. Nicht nur waren drei der fünf Plenarsprecher ausgewiesene Konstruktionsgrammatiker – Gabriele Diewald in der diachronen Sprachwissenschaft des Deutschen, Luc Steel als Vertreter der „Fluid Construction Grammar“ und Elena Lieven im Bereich der Spracherwerbsforschung – es gab außerdem eine Themensektion zu Konstruktionen im Deutschen sowie eine ganze Reihe konstruktionsgrammatischer Vorträge in den allgemeinen Sektionen.

Einige Trends scheinen besonders bemerkenswert: Erstens die Öffnung der Community gegenüber anderen theoretischen Ansätzen, wie zum Beispiel der Valenzgrammatik. Die Vorträge von Susen Faulhaber und Thomas Herbst und Michael Klotz zeigten sehr deutlich, wie stark sich die relevanten Fragestellungen in diesen beiden theoretischen Ansätzen überlappen und wie fruchtbar es sein kann, empirisch und phänomenorientiert an ein Problem heranzugehen und dann theoretische Modelle an den empirischen Befunden zu überprüfen.

Der zweite Trend ist bereits auf der Konstruktionsgrammatik-Tagung in Kiel offenbar geworden, nämlich die Öffnung zu verschiedenen Bereichen der Sprachwissenschaft, vor allem der diachronen Linguistik (wie die Vorträge von Gabriele Diewald, Elena Smirnova und Martin Hilpert zeigen), der Gesprächsforschung (hier exemplarisch der Beitrag von Jörg Bücker) und nach der Erstspracherwerbsforschung nun auch vermehrt der Bereich der Zweitspracherwerbsforschung und daran anschließend auch angewandt-didaktische Perspektiven (so zum Beispiel der Vortrag von Saskia Kersten).

Insgesamt zeichnete sich die ganze Konferenz durch eine stärkere Hinwendung zu empirischen Vorgehensweisen aus, wie die große Zahl an korpus- oder experimentbasierten Vorträgen zeigt.

Insofern war die Konferenz ein ermutigendes Signal an alle, die an funktionalen und kognitiven Ansätzen in der Sprachwissenschaft interessiert sind. Außerdem hat es wirklich Spaß gemacht.

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