Skip to content

Berichte von der DGKL-4 (II): Themensektion „Constructions in German“ (8.10.2010)

27. Oktober 2010

Die Themensektion Constructions in German setzte in Bremen (DGKL4, 7.-9.10.2010) im Kleinen fort, was in Kiel im Februar 2010 auf einer Fachtagung zur Konstruktionsgrammatik diskutiert wurde.

Alexander Ziem (Düsseldorf) leitete mit seiner Präsentation Constructions in German: issues, concepts and perspectives in different domains of application ein in die Sektion. Zentraler Fluchtpunkt der Vorstellung konstruktionsgrammatischer Konzepte war mit einem Rückgriff auf Kellers ‚Phänomene der unsichtbaren Hand‘ die Betonung sozial bedingter Konventionalisierungprozesse einerseits und des entrenchment-Prinzips, das die kognitiv-mentale Dimension betrifft, andererseits. Erhellend war vor allem die Frage nach der sozialen Dimension der Etablierung und Stabilisierung von Konstruktionen durch partiell gleich gerichtete individuelle Intentionen der Sprachbenutzer.

Sven Staffeldt (Würzburg) richtete seine Aufmerksamkeit auf die – scheinbar banale – Frage, was wie sie wissen bedeutet. Resultat seiner Analyse ist, dass mithilfe traditioneller Grammatiken (und dem Prinzip der Kompositionalität) keine befriedigende Antwort gefunden werden kann, der Ausdruck jedoch auch keine phraseologische Einheit zu sein scheint. Vielmehr hat sie offenkundig einen Konstruktionscharakter – und sollte als solche auch analysiert werden. Weiterhin wurde mit dem Vortrag von Alexander Lasch (Kiel) zu nonagentiven Konstruktionen ein weiterer Themenbereich  angesprochen, der in der aktuellen konstruktionsgrammatischen Diskussion – zumindest im deutschsprachigen Raum – einen hohen Stellenwert hat. Lasch präsentierte in seinem Vortrag erste Ergebnisse einer korpuslinguistischen Studie zum sprachlich-grammatischen Repertoire, das die deutsche Sprache zur Konzeptualisierung von Passiv-Konstruktionen bereitstellt. Sein Ergebnis lautet, dass mindestens fünf Konstruktionstypen (mit je eigener Bedeutungsdimension) dieser nonagentiven Konstruktionen unterschieden werden müssen.

Die Frage nach der „Emergenz“ von Konstruktionen wurde auch in den Vorträgen von Jörg Bücker (Münster), Elena Smirnova (Hannover) und Barbara Stumper (Leipzig) aufgerufen – allerdings mit unterschiedlichen Stoßrichtungen. Bücker schlug in seinem Vortrag ‚vom Humor her und so‘. Zirkumpositionen in der gesprochenen Sprache als Herausforderung für die Konstruktionsgrammatik die Unterscheidung zwischen „Konstrukt“ (der Aktualisierung der Konstruktion im Gebrauch) und „Konstruktion“ (die rekonstruierbare Repräsentation) vor. Smirnova hingegen wählte in Identifying constructions in diachrony einen anderen Zugang vor dem Hintergrund der Diskussion um den Begriff des „Konstruktionswandels“, wie sie derzeit im Bereich der Grammatikalisierungsforschung geführt wird. Sie plädierte für die Verwendung der voneinander zu scheidenden Begriffe der „Konstruktionalisierung“ (im Sinne der Etablierung einer Konstruktion) und des „Konstruktionswandels“. Stumper ging schließlich in ihrem Vortrag ‘Frequent frames‘ in German child-directed speech der Frage nach, wie Konstruktionen im Spracherwerb entstehen. Mithilfe einer groß angelegten quantitativen Korpusstudie erbracht sie Evidenz für die Annahme, dass Bedeutungen in Konstruktionen erlernt werden, die variable Slots aufweisen, als Ganze aber recht stabil bleiben.

Insgesamt deckten die Vorträge aktuelle und wichtige Bereiche der konstruktionsgrammatischen Forschung im deutschsprachigen Raum ab. Es ist geplant, die begonnene, spannende Diskussion fortzusetzen. Derzeit ist ein Workshop zu konstruktionsgrammatischen Perspektiven in der Gesprächs- und Diskurslinguistik in Planung, der im Sommer in Düsseldorf stattfinden soll. Der Workshop wird von Alexander Ziem in Kooperation mit Alexander Lasch organisiert.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: