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Berichte von der DGKL-4 (III): Gabriele Diewald

29. Oktober 2010

Gabriele Diewald war nach Luc Steels die zweite Plenarsprecherin mit einem explizit konstruktionsgrammatischen Hintergrund auf der DGKL-4. In ihrem Vortrag „Paradigms as constructional entities – with special attention to their diachronic development“ zeigte sie, inwiefern generell die Annahme von „Konstruktionen“ auch für diachrone Untersuchungen – in ihrem konkreten Fall für die Grammatikalisierungsforschung – fruchtbar ist und zu empirisch und theoretisch angemessenen Beschreibungen und Erklärungen führt.

Der eigentliche Punkt des Vortrags war jedoch – wie der Titel bereits vermuten lässt – eine konstruktionsgrammatische Analyse von Paradigmenbildung. Bisher, so Diewald, seien Grammatikalisierungsprozesse meist als gerichtete Abfolgen spezifischer Konstruktionstypen beschrieben worden. Dabei wurde besonders das Zusammenspiel pragmatischer Bedingungen und struktureller sprachinterner Eigenschaften berücksichtigt. Was jedoch in den meisten dieser konstruktionsgrammatischen Ansätzen zur Beschreibung und Erklärung von Sprachwandelprozessen außer acht gelassen wurde, sei die Entwicklung und Integration von paradigmatischen Strukturen (wie zum Beispiel die Flexion regelmäßiger Verben).

Gabriele Diewald zeigte an einigen konkreten Beispielen, dass deshalb die Modellierung von Grammatikalisierungsprozessen um eine Stufe erweitert werden muss. Die Integration paradigmatischer Strukturen sei der wesentliche Teil bei Grammatikalisierungsprozessen. Aus konstruktionsgrammatischer Sicht könne ein grammatisches Paradigma als eine Art Konstruktion betrachtet werden.

Diewalds Argument ist natürlich auch für synchrone Beschreibungen interessant, da es ein zentrales Problem aufgreift, das sich in verschiedenen Formen durch die meisten konstruktionsgrammatischen Vorträge auf der DGKL-4 durchzog: Wie sollte man in der Konstruktionsgrammatik mit regelhaften Strukturen umgehen und wie sinnvoll sind weitgehende Generalisierungen auf der Ebene von Konstruktionen – oder wie abstrakt sollen und können Konstruktionen sein?

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  1. Alexander Lasch permalink
    2. November 2010 19:54

    „Aus konstruktionsgrammatischer Sicht könne ein grammatisches Paradigma als eine Art Konstruktion betrachtet werden.“ Dem widerspricht Martin Hilpert — so wie ich es sehe — dezent aber entschieden. Die Diskussion wird aber noch etwas auf sich warten lassen müssen, da sein Beitrag zum Konstruktionswandel erst im Sammelband „Konstruktionsgrammatik III“ erscheint.

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