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Buchtipp: Sprachliches Wissen zwischen Lexikon und Grammatik

21. Juli 2011

Auch, wenn ich selbst Beiträger bin, möchte ich es doch so formulieren: Das dieser Tage erschienene Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2010 ist ein geistiger Leckerbissen für Konstruktionsgrammatiker/innen. In Sprachliches Wissen zwischen Lexikon und Grammatik haben Stefan Engelberg, Anke Holler und Kristen Proost die Vorträge der 46. Jahrestagung mit einigen zusätzlichen Beiträgen zu einem Band kombiniert, der, nicht zuletzt wegen ihres gut überlegten Überblicksartikels, einen exzellenten Einblick in den Stand der Theoriediskussion bei der deutschsprachigen Konstruktionsgrammatik und ihren Gegner/innen bietet.

Meine persönlichen Highlights sind neben dem erwähnten Überblicksartikel die Beiträge von Gert Webelhuth und Gereon Müller.

Webelhuth ist unter den deutschsprachigen Konstruktionsgrammatiker/innen sicher derjenige mit der größten street credibility, er hat nun wirklich ausführlich gezeigt, dass er sich in alternativen Theorien (vom Government-and-Binding bis zur HPSG) bestens auskennt, und wenn er argumentiert, dass nur eine Konstruktionsgrammatik (in diesem Fall Kay-Fillmore’schen Zuschnitts) deutsche Relativsätze stringent, vollständig und theoretisch elegant beschreiben kann, dann hat das Gewicht.

Müller ist aus zwei Gründen mein Lieblingschomskyaner und beide demonstriert er in seinem Beitrag: Erstens ist er radikal und steht auch dann hinter der Theorie, wenn es schwierig wird. Zweitens vermischt er nicht ständig unterschiedliche Analyseebenen. Dadurch entstehen Analysen, an denen die Kerneigenschaften des Generativismus Chomskyscher Prägung gut sichtbar werden.

Ebenfalls höchst lesenswert aus konstruktionsgrammatischer Sicht sind die Beiträge von Engelberg et al. zum Konstruktionsstatus von Argumentstrukturen und von Wolfgang Imo zum Konstruktionsbegriff an sich.

Von den nicht-konstruktionsgrammatischen Beiträgen sind zwei hervorhebenswert: Erstens ein Beitrag von Joachim Jacobs über die Frage, ob und wie in der Grammatiktheorie das „Wort“ zu definieren ist — diese klassische Frage der Sprachwissenschaft beantwortet er in klassischer Jacobs’scher Manier ausführlich (und fast wäre man geneigt, zu sagen, abschließend). Zweitens ein Beitrag von Carolin Spitzer und — noch einmal — Engelberg, in dem sie die elektronischen lexiko- und grammatikografischen Ressourcen darstellen, die sich auf der Jahrestagung präsentiert haben. Da Empirie auch in der Grammatiktheorie eine immer wichtigere Rolle spielt, tun es auch diese Ressourcen und die Darstellung zeigt das sehr schön.

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